Zurück Sie sind hier: Online-Sammlung > Sammlungsobjekte > 166-005-002

Beschreibung

1966 lud der Vorstand der Commerzbank zu einen Wettbewerb für eine neue Zentrale ein. Ziel war es, die gesamte Belegschaft in einem einzigen Gebäude zusammenzuziehen. Sieben Architekturbüros nahmen am Wettbewerb teil: die Frankfurter Walter Maria Schultz, ABB Architekten & Partner Scheid, Max Meid & Helmut Romeick sowie Richard Heil, die Düsseldorfer HPP sowie Heinrich Rosskotten & Edgar Tritthart, und als internationaler Architekt Ludwig Mies van der Rohe.
Die Entwürfe sahen alle einen Turm vor, entweder freistehend oder verbunden mit einem niedrigeren Sockelbau. Einzig Mies van der Rohe, der nur selten an Wettbewerben teilgenommen hatte und sich zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend aus dem Berufsalltag zurückgezogen hatte, schlug eine Aufteilung in zwei separate Gebäude vor: einen 127 Meter hohen Büroturm an der Neuen Mainzer Landstraße und einen eingeschossigen Pavillon an der Großen Gallusstraße. Der konkrete Frankfurter Entwurf stammt allerdings von seinem Mitarbeiter und Enkel Dirk Lohan. Wie schon bei dem Chicago Federal Center (1964–1974) und dem Toronto Dominion Center (1967/1969) sollten die Gebäude durch eine unterirdische Passage verbunden werden. Als einer der letzten und nahezu unbekannten Entwürfe – Mies starb 1969 – ist dieser eine Zusammenfassung der Elemente, die ihn sein Leben lang beschäftigt hatten und für die er eine allgemeingültige Lösung entwickelt hatte: das Stahlskelett und dessen Übersetzung in Rasterfassaden, der aufgeständerte Turm über einem verglasten Erdgeschoss und der Pavillon mit seinen Bezügen zur Umgebung. Der Platz, den Mies vor dem Hochhaus vorsah, hätte die heute bestehende »Bankenklamm« mit einem Ausblick auf den Pavillon geöffnet. Es wäre sein einziges Hochhaus in Deutschland gewesen.
Der Vorstand war jedoch mit der Ausnutzung des Baugrunds nicht einverstanden und die Entscheidung fiel auf Richard Heil, dessen Entwurf ab Juni 1970 ausgeführt wurde. Nach dem Vorbild des Seagram Building wurde die Fassade mit eloxiertem, bronzefarbenem Aluminium verkleidet. Mies von der Rohes Einfluss war so auch ohne seine direkte Beteiligung sichtbar.
(Philipp Sturm)

siehe: Philipp Sturm, Peter Cachola Schmal: Hochhausstadt Frankfurt, Ausstellungskatalog DAM, München/London/New York, 2014

  Objekte