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Hermann Finsterlin

  • Tätigkeit Architekt/in
  • Nachweiszeit 1887 - 1973
  • Wirkungsort München
  • weiterer Wirkungsort Stuttgart

Biografie


Hermann Finsterlin gehört zu den Einzelgängern unter den Architekten des zwanzigsten Jahrhunderts; seine utopischen, plastischen Architekturentwürfe erregten vor 1920 in Ausstellungen großes Aufsehen. Er studierte Medizin, Physik und Chemie, anschließend noch Philosophie und Malerei in München. Der Theosophie nahestehend, entwarf er vorwiegend phantastische Architektur, die er 1919 in Berlin bei einer von Gropius arrangierten "Ausstellung für unbekannte Künstler" vorstellen konnte. Weiche und fließende, im weitesten Sinn biomorphe Formen sind charakteristisch für seine wichtigsten Architekturentwürfe, die zwischen 1919 und 1924 entstanden, in denen die Bauten als Teile einer groß gedachten Landschaft aus bewegten Formen gesehen werden, deren Inneres und Äußeres zu kontinuierlichen Flächen verschmilzt. Als prägender Korrespondent der von Bruno Taut ins Leben gerufenen, utopische Briefe wechselnden Gruppe "Gläserne Kette" (Deckname Prometh) konnte Finsterlin auch an Tauts "Alpiner Architektur" mitwirken. Weitere avantgardistische Gruppen wie der Blaue Reiter, die Brücke oder auch De Stijl waren vergeblich um seine Mitgliedschaft bemüht. Finsterlin beschwor im Gegensatz zu seinen expressionistischen Kollegen nicht lautstark einen anonymen Zeitgeist, sondern glaubte an eine langsam fortschreitende Evolution der Formen und an einen biogenetischen Bildungstrieb in der Kunst, der sich des Menschen wie eines Mediums bediente. Als Architekt wurde er zum Antipoden der Bauhausideologie, aber seine Entwürfe blieben Utopie, obwohl Finsterlin sich zeitlebens gerade dagegen gewehrt hatte, als Utopist bezeichnet zu werden. Immer wieder zerschlugen sich ehrgeizige Bauprojekte wegen finanzieller Schwierigkeiten der Auftraggeber. Schon nach 1922 zog sich Finsterlin aus dem Kreis der Architekten zurück und widmete sich der Malerei und Schriftstellerei. Aus dem Jahre 1924 stammt ein erwähnenswerter Briefwechsel mit Gaudí. 1926 siedelte er schließlich nach Stuttgart über, wo 1928 auch die erste Gesamtausstellung seiner Aquarelle, Tusche- und Architekturzeichnungen zu sehen war. Nach dem Zweiten Weltkrieg beeinflußte Finsterlin Architekten wie Utzon.

Bestandsinformation

1 Gemälde, 3 Malereien, 11 Zeichnungen, 1 Gedichtsammlung (30 Blatt)

weiterführende Quellen

  Objekte