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Beschreibung

Das Campanile-Projekt südlich des Hauptbahnhofs auf dem sogenannten Khasana-Gelände, das gleich einem italienischen Glockenturm zusammen mit dem Bahnhof ein Ensemble bilden sollte, löste über Jahrzehnte politische Grabenkämpfe aus.
Nachdem der Architekt Hans Robert Hiegel sich bereits mit dem Bau des Campanile befasst hatte, lieferte Helmut Joos (JSK Architekten) 1985 einen weiteren Hochhausentwurf. Wenige Jahre später konkretisierten sich die Pläne: Die Deutsche Bundesbahn beabsichtigte, das Areal zu bebauen; verantwortlich für den Vorentwurf zeichnete wiederum JSK. Da der 268 Meter hohe Turm einen beträchtlichen Maßstabssprung bedeutet hätte, gab der Magistrat der Stadt 1987 ein Gestaltungsgutachten in Auftrag, an dem Helge Bofinger, Oswald Mathias Ungers, Schweger und Partner, die Architektengemeinschaft Gerhard Balser, ABB Architekten Scheid, Hanig, Schmidt sowie Josef Paul Kleihues teilnahmen. Das Preisgericht empfahl eine Zusammenarbeit von JSK mit Oswald Mathias Ungers. Helmut Joos folgte dieser Empfehlung nicht, überarbeitete den Campanile aber: der neue Hochhaus war ein quadratischer, von einer Stahlkonstruktion gefasster Turm, der aus einer runden, in eine Blockrandbebauung eingebetteten Basis herauswächst.
Als sich im Vorfeld der Kommunalwahlen 1989 eine rot-grüne Mehrheit abzeichnete, versuchte der damalige Planungsdezernent Hans Küppers (CDU), eine Teilbaugenehmigung für den Campanile auszufertigen. Da diese jedoch eine Zustimmungsklausel der Nachbarn enthielt, gelang es der Anwohnerin Hannelore Krause, das Großprojekt zu verhindern.
Im 2008 beschlossenen Hochhausentwicklungsplan wurde das Campanile-Areal erneut als Standort für ein Hochhaus mit einem Busbahnhof ausgewiesen. Als die Deutsche Bahn Interesse bekundete, den Turm als Mitarbeiterzentrale zu nutzen, war die Stadt bereit, einen 200 Meter hohen Bahn-Tower zu bewilligen, der Entwurf stammte erneut von JSK. Nachdem die Bahn den Silberturm als neuen Bürostandort ausgewählt hatte, zerschlug sich das Projekt erneut. Der 148 Meter hohe Traffic-Tower aus dem Jahr 2013 ist der aktuellste Entwurf von JSK für den umstrittenen Standort.
(Evelyn Steiner)

aus: Philipp Sturm, Peter Cachola Schmal: Hochhausstadt Frankfurt – Bauten und Visionen seit 1945, Ausstellungskatalog DAM, München, London, New York 2014